bike Mountainbike-Magazin: Feierabend-Tour mit Hansueli Stauffer

Martin Platter, freischaffender Journalist/Fotograf und Hauptverantwortlicher für den Schweizer Teil des bike Mountainbike-Magazins, ging diesen Sommer mit unserem Teamfahrer, Hansueli Stauffer, auf Tuchfühlung und besuchte ihn in seinem Trainingslager im Engadin. Die komplette Reportage finden Sie hier. Viel Spass beim Lesen.

 

REGEN ALS SEGEN
Unverhofft kommt oft – das gilt auch für Rennfahrer wie Hansueli Stauffer und seine Tour im Engadin. Am Schluss stellte sich der Regen dann aber sogar als Segen heraus.

 

HANSUELI STAUFFER KOMMT WIE URSPRÜNGLICH CHRISTOPH SAUSER AUS SIGRISWIL.
Dort führt sein Vater zusammen mit seinem Bruder ein Bike- und Skisport-Fachgeschäft. Doch für diese Feierabend-Tour haben wir uns nicht im Berner Oberland verabredet, sondern im Engadin. Genauer im Samedan, wo Stauffer im Juli ein dreiwöchiges Trainingslager verbracht hat. Er wohnte im Lehrlingshaus, eine Unterkunft, die ihm sein früherer Team-Kollege Lukas Buchli vermittelt hat. Kostengünstig, jedoch nicht spartanisch; alleine, aber bei Bedarf doch mit Kontakt zu anderen. So, wie es Stauffer im Trainingslager mag.

Drei Wochen zuvor hatte er beinahe den Engadin Bike Giro gewonnen. Noch immer weiss er nicht so recht, ob er sich nun endlich freuen oder noch immer ärgern soll. Auf der zweiten Etappe war er mit deutlichem Vorsprung auf den Rest in einer Dreiergruppe hinter dem Führungsmotorrad hergerast, das falsch abgebogen ist. Vier Minuten fehlten am Ende des Tages. Damit war der Gesamtsieg futsch. Stauffer tröstete sich mit dem Etappensieg nach dem dritten Teilstück, zugleich das Finale. Auch an der Schweizer Meisterschaft zwei Wochen vor dem Giro war Stauffer mit dem Ziel angetreten zu gewinnen. Doch Urs Huber machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Stauffer musste sich mit dem zweiten Rang begnügen. Wie 2013, als er noch näher am Titelgewinn war. Damals war es Weltmeister Christoph Sauser, der ihn nach langer Soloflucht auf den letzten Metern vor dem Zielstrich abfing. Es wäre gelogen zu sagen, dass dies Stauffer nicht beschäftigt. Der 29-Jährige ist seit dem Abschluss einer Baumaschinenmechanikerlehre professioneller Rennfahrer. Wie jeder ambitionierte Spitzensportler hasst er zweite Plätze wie die Pest. Vor allem, wenn er den Sieg vor Augen gehabt hat. Hat er deshalb als Bergaufstrecke für die Feierabend-Tour die des Engadin-Bike-Giro-Prologs ausgesucht? Hansueli lacht und antwortet: «Nein, wegen der tollen Abfahrt.» Zuerst aber kurbeln wir mit Höchstfrequenz entlang der langen, leicht fallenden Geraden von Samedan nach St. Moritz. Beim Parkplatz der Corviglia-Seilbahn beginnt die Steigung zuerst in weitem Bogen sanft, ehe die Höhenkurven immer dichter zusammenrücken. «Im Prolog haben die Schnellsten für die zehn Kilometer mit knapp 800 Höhenmetern etwas über 36 Minuten gebraucht», sagt Hansueli beiläufig. Ich habe das Gefühl, dass wir schon eine halbe Ewigkeit unterwegs sind. Gleichmütig stemmen wir uns gegen die Hangabtriebskraft und versuchen, uns mit der schönen Aussicht abzulenken. Die Wolken hängen mal tiefer, mal höher, lassen zwischenzeitlich sogar ein paar Sonnenstrahlen durch – ehe es wieder zu regnen beginnt: Sommer 2016.

Hansueli schaut aufs Powermeter. Er ist mit 230 Watt unterwegs. Halbe Kraft voraus gewissermassen. Wenn’s im Rennen um die Entscheidung geht, ist die doppelte Leistung gefragt. «Ich brauche diese Tage, an denen ich einfach biken gehe – ohne Leistungsdruck», sagt Hansueli, ehe wir uns wieder dem Schweigen ergeben. Kurz darauf überholen wir einen Biker, der uns eingangs Steigung stehen gelassen hat. «Ausserhalb der Rennen kommt’s zwar selten vor. Aber es macht mir im Training nichts aus, wenn ich überholt werde», sagt Hansueli und grinst verschmitzt. Mit Team-Kollege Konny (Looser) sei das jeweils anders. Da könne auch anfänglich lockeres Training plötzlich hart werden. Der Regen wird stärker. Kurz vor der Alp Laret stellen wir uns deshalb einen Moment bei einer Funkübertragungsstation unter und geniessen die Sicht auf den Sankt-Moritzer-See, der weit unter uns liegt. Hansueli sagt: «Es gab in dieser Saison bisher erst eine Phase, bei der es mal fünf Tage am Stück schön war.» In den letzten Jahren hat er vor allem auch im mentalen Bereich an sich gearbeitet. «Ich musste lernen, die nötige Distanz zum Sport zu gewinnen und nicht alles immer so schwer zu nehmen», gibt Stauffer einen ungewöhnlich tiefen Einblick in sein Innenleben. Es ist ihm ein Anliegen, darüber zu sprechen. Wie es ihm vor zwei Jahren ein Anliegen war, nicht zu verschweigen, dass er nahe an einem Burnout war. «Ich gönnte mir zu wenig Erholung und war plötzlich gefangen in einer Gedankenwelt, die viel zu negativ war.» Dank professioneller Hilfe und einer verständnisvollen Freundin sowie der ganzen Familie und auch seinem Rennteam konnte er die Krise in acht Wochen überwinden. Er musste lernen, die Symptome der Überlastung zu erkennen und auf sie zu achten – auch auf die mentalen. Dass auf höchstem Niveau vor allem mentale Stärke der Schlüssel zum Erfolg ist, das hat ihm höchst beeindruckend im Vorjahr Team-Kollege Lukas Buchli vorgeführt. Nachdem dieser seinen Rücktritt bekannt gegeben hatte, fuhr er wie nie zuvor in seinem Leben völlig entfesselt und gewann auf seiner Abschieds-Tour plötzlich die schwersten Rennen gleich in Serie – vor Urs Huber.

Die Corviglia-Steigung ist zuweilen sehr steil. Wir wundern uns über den vielen Auto- und Lastwagenverkehr und sehen erst auf dem Berg den Grund: Bei der Bergstation wird gebaut. Oben angekommen, beginnt es wieder zu nieseln. Doch das nasse Wetter stellt sich als Segen heraus. So können wir in Ruhe, da fast alleine, auf dem Flow-Trail fahren und ungestört fotografieren. Der Himmel zeigt interessante Wolkenbilder. Es ist wie eine Parabel auf das Leben: Auch das Negative hat seine guten Seiten. Man muss aber bereit dafür sein, diese zu erkennen. Hansueli jedenfalls ist bester Laune. Er liebt das Bergabfahren, und mit dem Flowtrail nach St. Moritz hat er die besten Voraussetzungen dafür vor sich. Die gute Laune verrät noch etwas anderes: Er ist in diesem Moment frei im Kopf. Denn es ist nicht etwa so, dass er bis zu diesem Zeitpunkt nur zweite Plätze eingefahren hat. Im Mai und Juni hatte er das La Rioja Bike-Race, den Ketterer-Marathon und das Bergibike gewonnen. Letzteres war das Auftaktrennen zur nationalen Rennserie Garmin Bike Marathon Classics, dessen Leader-Trikot er bis zum Schluss verteidigen wollte. Doch es sollte anders kommen. Am Marathon in Montafon startete Stauffer zwar als Sieger verheissungsvoll in die zweite Saisonhälfte. In den verbleibenden vier Garmin-Classics-Läufen kam er aber nicht an Huber vorbei. Eine Pannenserie an der o-tour und schwindende Kräfte zum Saisonende besiegelten den zweiten Platz. Zurück in Samedan sagte Hansueli noch: «Ich kenne meine Schwächen und weiss, an was ich zu arbeiten habe.» Es klang wie eine Vorhersehung.

Quelle: Bike - das Mountainbike Magazin

 

 

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